Von und mit : Renaud Herbin
Text : Erwan Tanguy
Übersetzung : Julika Mayer
Ton : Morgan Daguenet
Collaboration : Uta Gebert , Stephane Rouxel, Nicolas Lelièvre
Text
ah!
hör wie still es bei mir ist
hier
gehts mir gut
man könnte auch sagen ich vervollständige mich
der puls der welt
ich fühl ihn schlagen ohne dass er mich bedroht
ah
find ich mich ganz
jeden quadratmeter kann ich abschreiten
blind flecken an die wand setzen
durchs fühlen und hören wiedererkennen - und mich orten
alle parameter sind versammelt
selten täuscht man sich
ah
hör mal
hier bei mir
bin ich
alles um mich herum hat die richtige entfernung
ich setz mich hin und lasse meinen kopf nach hinten fallen - die augen fixieren
die decke im dunkeln
wo ich kleine reliefe erahne –
und ich schau auf die wände – zwischenwände
tragende wände - und die anzahl der steckdosen zum beispiel
mmh
jeden zentimeter geh ich ab - so – selbst meine haut - jede pore -
an aus, die lichter - alle - schaun ob sie funktionnieren - da verliere ich
jedesmal zeit -
es kann vorkommen - wenn ich mich anhaue - dass ich zweifle - nicht der richtige
ort - nicht der richtige abstand -
oder aber
mmh
es gibt keinen ort wo ich mich besser fühle
und dann heb ich den kopf und verfolge mit den augen -
hier bin ich sicher - beschützt durch die filter der modernen architektur
wenn
ich mich verändere
verändert er sich
ich bin daheim und öffne die augen
da bin ich
besser als draussen
ich bin ganz selbst auch wenn noch manchmal - immer noch - ein äusseres ereignis
ah!
mich aufspringen lässt
zu lebendig als dass all die filter wirken könnten
manchmal zweifle ich
hau gegen die wände
manchmal öffne ich die fenster - ich halt mich mit den händen fest - und mache
meiner unzufriedenheit luft
da draussen ist niemand - anders als ich
"wer bist du?"
versteckspiel - ich überrasche mich
nichts darf mich zweifeln lassen
all die details beruhigen mich
ich teile mich
das was sich ändert
durch meine bewegung
verädert seinen standplatz
ich verändere den blickwinkel
wenn
wenn ich mich nähere - mich hinein hinübergleite
wird er ich
ich hab ihn vergessen
er ist der andere
ich ziehe mich hinauf
ich erklettere mich
mmh
ich schau mich an - betrachte mich in ihm
jede öffnung - unebenheit - ich fordere sie ein
mir ein fremder aufeinmal - bevor ich mich akzeptiere
teile ich mich
dringe in meinen lebensraum ein
meine füsse entpannen sich
wenn
wenn ich mit mir rede
das ist eine gewohnheit - seltsam - vielleicht
hey platz da !
ich gebe mir befehle
ich schieb mich beiseite um mir platz zu lassen
hilft mir mich anders anzuschaun
mehrere ichs purzeln übereinander
es wird eng
für wen hälst du dich?
ich teile mich mit dem raum
das nimmt form an
ich bin wirklich - nachbarschaft - wohngemeinschaft - am mich mir aneignen
nicht ohne angst vor dem was mir fremd ist
vor dem was sich da einfiltert
trotz der modernen filter - trotz den isolierungen hör ich draussen wie es sich
belebt
trotz meiner scheinbar undurchlässigen haut kommt das draussen hinein
zwischenhaut
ich werde eins mit dem andern
ich geb mir einen arm
nicht nur die hand und den fuss
eines tages muss ich wohl oder übel mit dem teilen anfangen
ich auf der schwelle schau nach draussen
blinzel mit den augen im licht - stimmen - der lärm von schritten auf dem gehsteig
- eine strassenlaterne ein auto eine bank
noch ein schritt - ich muss nur noch
ich schaffe einen ersten tritt vom fus
